#30tage30gedichte

Im September hatte ich auf meinem Instagram-Account eine Challenge gestartet: Jeden Tag 1 neues Foto samt Gedicht, beides natürlich selbstgemacht. Hier habe ich jetzt nochmals alle Gedichte gelistet. Welches gefällt euch am besten?

01 Sicherkeit



Obwohl die Uhr sagt, dass heute ein Morgen ist,

verrann das Jetzt schon damals im grellen Licht.

Die Sonnenstrahlen zerbrechen an Getreidehalmen

während Winde das Gran meines Glücks zermalmen.

Bin ich hier und du dort, sind wir dann vereint?

Und sprechen wir von uns, wer ist wann gemeint?
Sicherlich stört mich die Dunkelheit der Einsamkeit.

Was war, ist und bleibt: lumineszierende Zeit.
02 Einsamheit

Wege zu dir führen nicht zum Ziel.
Spürt der Eine zu wenig oder die Andere zu viel?
Wir haben beide verloren; dabei war es kein Spiel.
Einbahnstraßen, gespiegelt, subtil.

Was ist es, das beginnt, am Ende der Zeit?
Wenn Einer hier fehlt, ist man dann noch zu zweit?
Und wenn du stehen bleibst, gehe ich dann zu weit?
Zwar habe ich begonnen, doch war nicht bereit.

Niemand, der diesen Ort Zuhause nennt.
Solitude is a faithful friend.
Und obwohl ich es bin, der das alles durchdenkt,
verlassen mich schlussendlich sogar die Reime...
03 zugreisen

Der Moment ward reif nach dörrem Warten,
legt sich darnieder vor des Tages Gemüt.
Der Dinge Spiel in tausend Arten
ist sogleich um Haltung bemüht.

Junge Ideale werden zu greisen,
ergibt sich die Wende am Fluchtpunkt des Seins.
Wo Erwartungen sich treffen, Ansprüche entgleisen,
werden verlorene Träume und Wirklichkeit eins.
04 Nebel

Der trüben Tage Abgesang
hängt noch zwischen Astgesindel.
Durch faule Tage straßenlang
ergriff mich einst der Alltagsschwindel.

Wo Regen & Wind einander teilen,
stille Zeiten sich bekehren,
meine Gedanken blank verweilen,
soll es mich das Trösten lehren.

Nebel - du des tumben Schmerzes
leuchtend fades Panorama.
Nicht gewahr des plumpen Scherzes
lerne ich ein karges Drama.
05 Wolkenbruch

Stimmen aus Cumulus in höchsten Tönen,
Gewitterzwist lässt sich nicht versöhnen.
Fanale der Farben, gestapelt im Dunst,
pastelle Kastelle aus luftiger Kunst.
Abends ruht in trauter Eintracht,
was am Morgen tränt und kracht.
Einmal gesplittert verheilen sie nicht,
elysische Wogen, zölestische Gischt.
06 Ehrfurcht

Hab keine Angst, du steter Träume Schlaglicht.
Wir zogen nicht aus, die Welt zu bereisen;
Nur führten die deinen zu ferneren Gleisen
und das Schicksal - für Interventionen - es fragt nicht.

Das Gespindel deiner Wege erschuf in mir Demut
vor dem Netz, das du gebaut, in dessen Zentrum du sitzt.
Wann immer mich treu dein Mauerwerk schützt,
passiere ich deine Ende, erfasst mich die Wehmut.
07 Krebs

Auf dem Objektträger unter dem Mikroskop
wirkt der Opferjäger plötzlich riesig groß.
Was in uns allen schläft und alsbald erwacht,
wird von Jedem sträflich selten nur bedacht.
Dass Leben enden muss, ist traurige Gewissheit.
Des Hades Händedruck verabreicht uns kein Mitleid.
Trotz allem feilen wir an Waffen, um den Krebs zu malträtieren.
Den Sieg der Schlacht können wir schaffen, den Krieg hier werden wir verlieren.
Aufgeben ist keine Option, denn Krebs verdient kein Renommee.
Aufgaben lösen aber schon, des Lebens Rätsel mein Sujet.
08 Flugsand

Stehe ich auf, denke ich an dich,
Fest; unverrückbar habe ich die schönsten Gedanken um dich gebaut.
Ständig versuchen die Dinge an sich,
Fehler einzufügen, doch ich erwehre mich derer bis sich niemand mehr traut.
Städte fern der Nacht habe ich bereist,
Felsen beschaut, die erst zu Sand dann zu Wasser geworden sind.
Stehend bestaunt, die Fußabdrücke, verwaist,
Fege sie hinfort, die meinen, sie zu einen, mit deinen, im Wind.
09 Hoffnung

Aus kambodschanischen Tälern auf Lieferengpässen 
versuchen gebeugte Schergen, sie hinaus zu schaffen. 
Wir überdrüssig den Fehlern, wollen vergessen, 
zumindest verbergen, es kann uns niederraffen. 
Denn sie ist ein kostbares Gut und schwindet 
bei kleinsten Verwerfungen der heutigen Zeit. 
Dann verlässt uns der Mut, der sich sonst noch windet. 
Gram und Verzweiflung machen sich breit.
Politiker, wissend, stellen die Falle. 
Versprechen, sie leuchten den Leuten ins Gesicht. 
Geblendet fordern sie Hoffnung für alle. 
Vergessen, die Täuschung, wie heut' dies' Gedicht.
10 Sleep

When we bury the sun, the night starts to glow.
Bereft of all colors, the darkness we know.
A land without borders, which merges us all,
as we stand together, united we fall.
These realms here are far from reality
with mere gravity between you and me.
Because our minds have unshaded eyes
and ears that are open to such lullabies,
it's our perception we cannot deceive
despite all this humble, unbend false believe.
Let's crucify doubts for the sake of the truth.
Our freed souls together as ultimate proof.
Please follow me, dear, it will be all right.
Sleep is the asylum, I'm seeking all night.
11 Die beiden Türme

Wissen und Glauben sind Elfenbeintürme,
gehärtet duch Äone unzählbarer Stürme,
auf dass man jegliche Öffnung abschirme.
Zeige- und Mittelfinger divergieren.
Freiheit mit Händen zu instruieren;
unmöglich, will man Frieden hier nur fingieren.

Die Stapel aus Geld fegt ein Luftzug hinfort.
Die Scheine landen an anderem Ort
während am Fuße der Trümmer das Grasland verdorrt.

Brunnen als Türme in die Erde gegraben,
erschließen die Quelle, an der wir uns laben.
Aus dem Inneren entstammen die wertvollsten Gaben.

Bitte lasst uns die Türme mit Brücken verbinden.
Auch aus der Mitte soll man Zugang finden.

Lasst Ängste und Zweifel in den Türmen verschwinden.
12 Zahlen

Bei 6 aus 49 sind wir besser gut beraten,
verschwört mit 23 sind die Illuminaten.
7 sind die Zwerge, 8000er für Berge.
1/2 reicht nicht für Miete, geschweige denn für Särge.
42 ist die Antwort, unabhängig von der Frage.
00 ist hier der Ursprung, unsere Ausgangslage.
Zahlen überall, das wusste schon Pythagoras.
Bezahlen über alles; für Griechen und Karl Marx der Hass.
13 Candy Bar

Meine Freundin ist schön, anmutig, adrett, angenehm zu beseh'n,
betörendes Lachen, güldenes Haar, und doch nicht so süß wie die Candy Bar.
Letztens mal wieder auf Hochzeit gewesen, Buffet war edel, Zutaten erlesen,
doch nur Schweinebraten und Lachstartar, also wieder ab an die Candy Bar.
50 Cent rappte mal über Lollipop, dabei dachte ich immer, der mache doch Hip Hop.
War der nicht mal so ein Gangsterrap-Star? Oder Botschafter der Candy Bar?
Kannst du dir das überhaupt leisten? Mal ganz objektiv: Du zählst zu den Feisten!!
Vielleich findest du das ein wenig bizarr: Ich bin ihr völlig verfallen; der Candy Bar...
14 Leuchtkern

Vergebens versuche ich, dich zu halten,
glutroter Stern, der die Wälder versengt.
Verbrenn' meine Netzhaut mit Feuersgewalten,
wenn du mir dafür eine Dunkelheit schenkst,
die alles belegt ohne Unterschiede
zwischen Tieren und Menschen und Ländern so fern.
Wir, aus einem Guss von der Himmelsschmiede
verfügen dann über den einenden Kern.
15 Halbzeit

Zwischen zwei Zeigerrunden hängen die Stunden,
diskrete Instanzen, später verbunden.
Mit 27 Jahren Eile überwunden,
für jede Idee eine Zeile gefunden.
Eine Weile gewartet und nichts war passiert.
Die Angst vor der Zukunft ganz dreist demaskiert.
Die Uhren der Menschen sind manipuliert,
die kleinere Hälfte wird falsifiziert.
16 Blutspende

In mir fließt, was sich ergießt, wenn einmal die Nadel spießt,
ins Elixier, von Mensch und Tier, es macht aus dir und mir ein wir.

Ich schenke es dem Mann in Not, dessen Gesicht ich nie gekannt.
Kaum verlässt mich diese Spende, füllt sich mein Bestand.
In uns allen wächst am Ende, liebesroter Saft,
schenkt uns seither Luft zum Atmen und zum Laufen Kraft.
17 Wiederfund

In einer rauen Truhe ruhte unter dem Morgenreif verbrauchter Tage zwischen kratzigen Strickpullovern diese Photographie von dir.
In windigen Worten schreibst du unhörbar für alle doch deutlich für mich in den Septembermorgen bunter Blätter ein Lied des Lächelns.
Bin ich in flauer Ruhe nur sorgenfrei, borge ich laufend Farben die zischen fast witzig die schönste Monotonie mit dir.
Die limbischen Pforten reiben spürbar, der Hall der Euphorie ist länger geworden mitunter wegen der Liebe berechnend.
18 Wurstsonett

Totes Fleisch ins Glas gepresst,
luftdicht unter Blechverschluss.
Wenn das Tier schon sterben muss,
will es, dass ihr alle esst.

Ordentlich in Reih' und Glied,
die Deutschen nenn'n es Tradition.
Für mich ist es der blanke Hohn.
Wo ist zur Wurst der Unterschied?

Du bist was du isst: Totes Fleisch.
Wellig, von der Schärfe gerötet.
Des bloßen Hungers Überfall.

Am Ende seid ihr alle gleich,
habt ihr essend erst getötet,
Würste, Würste überall...
19 Weg weiser

Von vielen Schritten wunde Sohlen
stöhnen ihm im Schmerz entgegen,
wofür er taub; ganz unverhohlen
geht er weiter, lässt sich regen.

Der kleine Mann auf großer Reise
hat nichts, das er Heimat nennt.
Weshalb an jeder Pfadesschneise
er keinen Deut des Zögerns kennt.

Der Hall der Schritte wird dann leiser,
repitetiv auf der Peripherie.
Der zweite Wege ist immer weiser.
Des Wandersmanns Peripetie.
20 Kälte

Über dem Hügel des Hauses erhebt sich ein schützend' Schild.
Nachzugeben, sind breite Mauern nicht gewillt.
Still passiert eine Brise das Verließ der Fugen,
wo zwischen Schauern Klauen aus Mauern lugen.
Die Wärme ernährt sich auf Erden vom Schnee.
Ihr Ausbruch erzeugt eine Kälte in spe.
21 Treue Begleiter

Deine Füße kennen das Vorwärts nicht mehr.
Dein Mund hat zu lange das Küssen verlernt.
Deine Augen finden den Himmel zu leer.
Deine Ohren vernehmen nur Stille, die lärmt.

Deine Hände fühlen sich kalt an in meinen.
Beisammen, zwanzig Finger, am richtigen Ort.
Lassen wir sie des Nachts von den Sternen bescheinen.
Und einzig dein Name ist das richtige Wort.

Es geht nie zurück, aber immer weiter.
Deine milde Sanftmut, die uns beide vereint.
Du weißt meine Liebe und Treue Begleiter,
die dir folgen und verweilen, bis die Sonne uns scheint.
22 Pflanzen

Ein Gefühl erwächst in mir über Tage,
erwacht in tausend Röhren der Lage
aus Cellulose und Chlorophyll
eingepflanzt in ein Idyll
aus Farnen, Gräsern, Blütenfächern,
Moosen, Ranken, Blätterdächern,
verwurzelt tief in meiner Brust,
atme ich florale Lust.
23 Musik ist keine Lösung

Der Krebs in uns lässt
sich nicht ein auf den Test:
Laufen, Rudern um die Wette
durchschlägt leider nicht die Kette
von Entartung zu Tumor;
so schlägt man uns anders vor,
dass die Saiten aller Geigen
werden es dem Unhold zeigen.
Es sind Zweifel, die ich hege,
wenn ich empirisch belege,
dass Musik hinter den Genen
nicht genügt. Man muss erwähnen:
Der Fehler liegt im System.
Die Musik ist das Problem.
Forschung ist leider kein Spiel,
Bilder führen nicht zum Ziel.
24 Nachtkleid

Wenn uns zwei die Nacht empfängt,
Jeder an den andren denkt,
wird uns ein Gefühl geschenkt,
das man bei Tage oft verdrängt.

Sehe ich aus meinem Fenster
in die kalte Nacht hinein
fühle ich mich nicht allein,
denn du kennst meine Gespenster.

Im Winde wallend weht das Kleid,
das nur von uns zwei getragen;
ein schützend wohliges Gewand.

Sind wir dann der Sonne leid,
treffen wir uns nach den Tagen
im innerlichen Nachtzustand.
25 Flausch

Kleiner Ball aus Flausch, den ich für nichts tausch’; setze dich hinein, in den
Rundtonstein. Möhre, Wurm und Korn, steh’n bei dir ganz vorn, alles in die Taschen, was
du kriegst zu naschen. Wenn die Sonne sich versteckt, wirst du erst geweckt. Dann ist 
Fütterzeit. Du bist schon bereit. Nimmersatter Nager, schaffst alles ins Lager. Dort wird
dann verborgen, was gespart für morgen. Hunger schafft nie Lasten, weil du lernst, zu
fasten. Ich lerne von dir, kleines, liebstes Tier.
26 Bücher

Zwischen euch bin ich aufgewachsen,
habe mit euch das Lesen gelernt,
mich immer weiter von Dummheit entfernt,
Wörter probiert, die strengen und laxen.

Auf euren Rücken stapeln sich Welten.
Asyle der Seele ohne Obergrenze.
Fantasien blühen in Vielfalt und Gänze,
unleserliche Prinzipien, die nichts mehr gelten.

Bücher, ihr bildet meinen Ort ohne Pflicht.
Wo ihr seid, da bin ich zuhause.
Bis auf das Lesen werde ich zum Asket.

Und naht eines Tages das Jüngste Gericht,
gönne ich mir selbst keine Pause,
und lasse mich sperren in die Bibliothek.
27 Ähm, es...

Laserblitze gefolgt von Nebelbänken,
Wolken aus fragmentierten Molekülen,
Ist die Wissenschaft als Wüste zu denken,
müssen wir Bewegungen der Sandkörner fühlen.

Weil sich Ionenpulse nicht spüren lassen,
Kollisionen im Meter durch eine Milliarde,
suchen wir die Flüge anders zu erfassen,
mittels Analyse der Partikel-Garde.

Zeigt das Messgerät am Ende die Wahrheit?
Kann ich wissen, welcher Gott darinnen wohnt?
Das Massenspektrometer bringt einzig Klarheit,
wobei immer die Wiederholung lohnt.
28 Fremde Zungen

Ferner Länder Sprachen, Schriften
leuchten über flachen Tälern.
Wo Hass und Wut den Tag vergiften
kann nur Bildung Leiden schmälern.

Traue dich nur, Freund, zu lesen,
was der Fremde dir geschrieben.
Unverständnis längst gewesen,
wenn wir lernen, neu zu lieben.

Zwischen Brüdern, Schwestern, Kindern,
suchen wir, uns mitzuteilen,
können Schmerz des Schweigens lindern
und die Welt durch Handeln heilen.
29 Münster

Wolken werden nicht gekratzt;
nur aus dem Bild und in die Luft
sticht der Glockenturm. Geplatzt
die Blasiertheit, Neid verpufft.
Einhunderteinundsechzig Meter
Sandstein Richtung Herr gebaut,
heilig schon bei Paul und Peter,
was dem Volk zur Wallfahrt taugt.
Sind sie dann auf fernen Reisen,
kennen sie die Heimatstadt,
schon von weiten Bahnhofsgleisen;
Wohl dem, der ein Münster hat.
30 Steril

Für das Gefühl kein Schubfach.
Den Blick niemals gesehen.
Liebe war kein Schulfach.
Ich kann sie nicht verstehen.
Schlaflos jede Nacht
ohne dein Bild im Spiegel
bin ich aus Furcht erwacht -
die Wahrheit ist ein Tiegel,
wo Hoffnungen zerschmelzen
und nicht mal Asche bleibt.
Der Dämon geht auf Stelzen,
hat sich mir einverleibt,
ist größer noch als jeder,
der ich gewesen bin:
Gefühle ohne Feder
beschreiben keinen Sinn.

 

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